Heute (15.02.2026) habe ich mir eine Art Akusikkoppler gebaut: Ein externer Lautsprecher und ein Original-Mikrofon und ein Funkgerät mit aktivierter VOX-Automatik ersetzen das kostspielige Modem.
Es stellt sich heraus, dass diese Methode gut funktioniert. Sie erfordert etwas Spielerei mit den einzelnen Pegeln (MIC-Gain beim Funkgerät, Pegel der Ein- oder Ausgänge bei der Soundkarte sind nötig.
Gearbeitet wird mit einem alten MacBook, auf welchem sich WSJT-X 2 installiert ist.
FT8 – Kurz erklärt
FT8 ist ein digitales Funkprotokoll, das 2017 von Joe Taylor (K1JT) zusammen mit Steve Franke (K9AN) und Stefan Gero (DL1HRC) im Rahmen der WSJT‑X‑Software entwickelt wurde. Es gehört zur Familie der „weak‑signal“‑Moden, die speziell dafür gebaut sind, Gespräche (QSOs) bei sehr geringer Signal‑zu‑Rausch‑Rate (SNR) zu ermöglichen – schon ab etwa ‑20 dB ( ≈ 400 mW auf 20 m Entfernung !).
Die wichtigsten Merkmale
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Modulationsart | 8‑Tone Frequency‑Shift‑Keying (FSK) – 8 unterscheidbare Frequenz‑Bins |
| Symbolrate | 6,25 Baud (je 0,16 s pro Symbol) |
| Übertragungsdauer | 15 s pro Nachricht (ein „Transmission Cycle“) |
| Bandbreite | ≈ 50 Hz (passt in einen 150‑Hz‑Kanal) |
| Erforderliche S‑NR | bereits ab ‑20 dB, praktisch bis ‑30 dB mit guter Synchronisation |
| Benötigte Software | WSJT‑X (oder kompatible Programme wie ft8‑decode, fldigi‑FT8‑Plugin) |
| Automatischer Decoder | FFT‑Analyse des Wasserfalls, ermittelt Zeit‑ und Frequenz‑Offset automatisch |
| Typische Anwendungen | HF‑DX, VHF‑UHF‑QSO, Kontakttests, Notfallkommunikation, Remote‑Station‑Monitoring |
Durch die feste, stark komprimierte Nachrichtenstruktur (etwa 13 Byte) lässt sich in jedem 15‑Sekunden‑Block fast die gesamte Information (Rufzeichen, Grid‑Rechteck, Signal‑Stärke usw.) übermitteln – und das trotz extrem schwacher Empfänge.
Wie läuft ein FT8‑QSO ab?
Ein FT8‑QSO besteht immer aus drei 15‑Sekunden‑Blöcken (45 s total). Die einzelnen Nachrichten sind fest definiert und werden von beiden Seiten automatisch decodiert.
1. Erste Übertragung („CALL – GRID – POWER“)
CALLSIGN(R) CALLSIGN(S) GRID POWER
oder
CALLSIGN(R) CALLSIGN(S) POWER
Beispiel:
DL1XXX DN9ISK JO43 (optional für den ersten Anruf mit Locator-Übertragung)
oder gleich:
DL1XXX DN9ISK -10
- CALLSIGN(R) – Rufzeichen des Empfängers
- CALLSIGN(S) – eigenes Rufzeichen
- GRID – 4‑stelliger Maidenhead‑Locator (optional 6‑stellig)
- POWER – gesendete Sendeleistung in dBm (oder einfach „‑10“ für 10 dB unter Referenz)
2. Antwort („CALL – GRID – SIGNAL“)
Der Gegenüber sendet innerhalb der nächsten 15‑Sekunden‑Blöcke:
CALLSIGN(S) CALLSIGN(R) POWER
Beispiel:
DN9ISK DL1XXX R-12
- SIGNAL – vom Empfänger gemessene Signal‑Stärke in dB (relativ zu 1 µV)
Damit weiß der erste Sender, wie gut sein Signal am Empfänger ankommt.
3. Bestätigung („REPORT – GRID – SIGNAL“)
Im dritten Block sendet der ursprüngliche Sender eine R‑Bericht‑Nachricht:
CALLSIGN(R) CALLSIGN(S) QSL
Beispiel:
DL1XXX DN9ISK RRR (oder gleich RR73)
Auf ein RRR wird die Gegenstation noch einmal ein „73“ senden. Auf ein RR73 ist eine weitere 73 nett aber entbehrlich.
Nach diesem Block haben beide Seiten das QSO erfolgreich abgeschlossen. Das komplette Gespräch sieht in der Praxis so aus (Wasserfall‑Ansicht mit Zeitstempel):
| Zeit (UTC) | Sender | Nachricht (Dekodiert) |
|---|---|---|
| 00:00:00 | DL1HRC | DL1HRC FN20 -10 |
| 00:00:15 | K1JT | K1JT FN20 -12 |
| 00:00:30 | DL1HRC | 73 RR73 FN20 -12 |
Was geschieht im Hintergrund?
- Synchronisation – WSJT‑X richtet sich exakt auf die 15‑s‑Perioden aus (Zeit‑ und Frequenz‑Offset).
- FFT‑Analyse – Der Empfänger wandelt den 15‑s‑Block in ein Spektrum um, sucht die 8‑Tone‑Sequenz und decodiert die 13‑Byte‑Nachricht.
- Automatisches Logging – Viele Programme schreiben das QSO sofort in ein ADIF‑Logfile (z. B. FT8_20260516.adi).
Warum ist FT8 so beliebt?
- Extrem schwache Zustände: Kontakte, die mit rein analoger Sprache unmöglich wären.
- Schneller Durchsatz: In 45 s ein kompletter QSO – ideal für „QSO‑Marathons“ wie ARRL DX‑Contest.
- Einfaches Setup: Nur ein Sound‑Interface, ein Transceiver und WSJT‑X.
- Automatischer Decodierer: Keine manuelle Entzifferung nötig, das Protokoll übernimmt das gesamte Parsing.
Fazit
FT8 kombiniert hoch effiziente digitale Modulation mit automatischer Fehlertoleranz, sodass Funkamateure weltweit selbst mit mW‑Leistung und schlechten Propagationsbedingungen erfolgreich kommunizieren können. Das standardisierte 3‑Block‑Ablauf‑Schema („CALL‑GRID‑POWER → CALL‑GRID‑SIGNAL → 73‑GRID‑SIGNAL“) macht das Protokoll sowohl für Einsteiger als auch für Veteranen leicht handhabbar – ein echter Game‑Changer im HF‑DX‑Zeitalter.
Viel Spaß beim Ausprobieren und happy QSO‑Logging!












